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Rehkitze zwischen Hund und Mähwerk – warum Rücksicht jetzt Leben rettet

08.04.2026 / News / ,

Der Mai ist da – und mit ihm eine der sensibelsten Zeiten in unserer Kulturlandschaft. In diesen Wochen bringen Rehgeißen ihre Kitze zur Welt. Kaum größer als eine Milchpackung und nur etwa ein Kilogramm schwer, sind sie vollkommen schutzlos. Ihr Überleben beruht auf einer einzigen Strategie: Unsichtbar bleiben.

Rehkitze werden von ihren Müttern im hohen Gras abgelegt. Ihr weiß gepunktetes Fell tarnt sie perfekt, sie selbst sind in den ersten Lebenswochen geruchlos und verharren regungslos am Boden. Flucht ist kein Instinkt, sondern etwas, das sie erst später erlernen. Die Mutter kehrt nur kurz zum Säugen zurück – aus gutem Grund: Jeder unnötige Kontakt könnte Fressfeinde anlocken. Dieses über Jahrtausende bewährte System funktioniert – solange der Mensch es nicht unbewusst aushebelt.

Gerade in dieser Zeit stellen freilaufende Hunde eine oft unterschätzte Gefahr dar. Für hochträchtige Rehgeißen ebenso wie für die abgelegten Kitze. Schon ein kurzer, scheinbar harmloser Kontakt kann fatale Folgen haben: Ein Zwicken an den dünnen Beinchen reicht aus, um schwere Verletzungen zu verursachen. Offene Wunden entzünden sich, Fliegeneier führen zu Infektionen, die für ein so kleines Tier meist qualvoll enden.

Häufig nimmt die Rehgeiß ein verletztes Kitz nicht mehr an. Neben den Schmerzen drohen Verhungern oder Verdursten. Diese Dramen spielen sich leise ab – meist unbemerkt. Umso größer ist die Verantwortung der Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer: Anleinen ist kein Akt der Einschränkung, sondern ein Akt des Tierschutzes.

Parallel zur Setzzeit beginnt für die Landwirtschaft die Mähsaison. Moderne Mähwerke sind effizient, breit und schnell – für Rehkitze jedoch lebensgefährlich. Ihre bewährte Strategie, sich bei Gefahr regungslos zu ducken, wird ihnen hier zum Verhängnis. Die erste Mahd fällt oft genau in jene Wochen, in denen die Kitze noch nicht fluchtfähig sind.

Die Folgen sind dramatisch: Viele Jungtiere sterben direkt, andere schwer verletzt erst Stunden oder Tage später. Jährlich gehen tausende Rehkitze als sogenanntes Fallwild in die Statistik ein. Das Leid betrifft dabei nicht nur die Wildtiere. Kadaverreste im Mähgut können auch für Nutztiere gefährlich werden, da sich in kontaminiertem Futter unter Luftabschluss Giftstoffe bilden können.

Um diese Verluste zu verhindern, arbeiten Landwirte und Jägerinnen und Jäger eng zusammen. Wiesen werden vor der Mahd abgesucht, optische und akustische Vergrämungsmethoden eingesetzt und Mähstrategien angepasst. Besonders bewährt hat sich in den letzten Jahren der Einsatz von Wärmebilddrohnen. In den frühen Morgenstunden werden die Flächen abgeflogen, Kitze lokalisiert und vorsichtig aus dem Gefahrenbereich getragen – ohne direkten Hautkontakt, um keine menschliche Witterung zu übertragen.

Diese Form der Jungwildrettung ist gelebter Tierschutz, setzt jedoch Kommunikation, Zeit und Engagement voraus. Auch die Technik ist kostspielig, zeigt aber große Wirkung. So konnten in vielen Regionen bereits zahlreiche Tierleben gerettet werden. Unterstützt wird diese Arbeit unter anderem von der Steirische Landesjägerschaft, die Maßnahmen zur Kitzrettung fördert und koordiniert.

Ob beim Spaziergang mit dem Hund oder bei der Arbeit auf der Wiese: Der Mensch nutzt die Lebensräume der Wildtiere intensiv. Gerade deshalb trägt jeder Einzelne Verantwortung. Ein angeleinter Hund, ein Anruf vor der Mahd, ein früher Start in den Tag – oft sind es kleine Entscheidungen, die über Leben und Tod entscheiden.

Rehkitze sterben leise. Umso wichtiger ist es, jetzt hinzusehen – und Verantwortung zu übernehmen.

Rücksicht, Anleinen von Hunden und gute Zusammenarbeit können jetzt den entscheidenden Unterschied machen.

Tipp für Landwirte: Wenden Sie sich vor der Mahd an die örtliche Jägerschaft oder erkundigen Sie sich beim Jagdamt Weiz nach einem Drohnenteam in Ihrer Nähe!

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